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Dresden Dukes: Müssen die Baseballer aufgeben?

Seit Monaten leben die Dukes mit einer Platzsperre. Das Sportstättenamt hat daran offenbar mehr Anteil als bisher bekannt.

Eigentlich ist es nur eine Mitgliederversammlung. Aber vielleicht steht am Sonnabend beim Vereinstreff der Dresden Dukes sogar die Zukunft einer Sportart in Dresden auf dem Spiel. Der eingeladene amtierende Leiter des Sportstätten- und Bäderbetriebs, Sven Mania,soll den Baseballern erklären, wo sie künftig ihrenSport ausüben können, der in den USA Millionen Menschen in seinenBann zieht, millionenschwere Stars produziert, der aber in Mitteleuropa ein Nischendasein fristet.

Der Grund für den Klärungsbedarf liegt knapp neun Monate zurück. Die Stadt hatte das Spielfeld der Dresden Dukes am Narzissenweg für die Punktspiele gesperrt, das Training ist davon nicht betroffen. Anwohner hätten sich beschwert, dass oftmals Bälle in die Gärten oder sogar auf die Häuser knallen. „Diese Bälle sind 150 Gramm schwer. Es wäre nicht zu verantworten, wenn diese mit hoher Geschwindigkeit jemanden treffen. Als Grundstückseigentümer sind wir verpflichtet, solche Gefahren zu vermeiden“, sagte Mania. Das ist im Zweifels-, also Schadensfall auch ein Versicherungsproblem.

Dass dieser Gefahrenkorridor überhaupt entstehen konnte, liegt nach SZ-Informationen an einer schweren internen Kommunikationspanne im Sportstätten- und Bäderbetrieb. Denn die Baseballer werfen und schlagen bereitsseit 15 Jahren ihre Bälle, die nun betroffenen Häuser wurden seit etwa 2006 just an jenen Stellen gebaut, wo sie nun durchdie Geschosse gefährdet sind. „Dem sogenannten Bebauungsplanverfahren ist seinerzeit, meines Wissens 2002, zugestimmt worden, weil ein Mitarbeiter des Sportstättenbetriebs signalisiert hat, dass dieStadt langfristig gesehen nicht mehr mit dem Sportplatz in Niedersedlitz plane,sondern eher verkaufen wolle“, sagt Thomas Trepte, sportpolitischer Sprecher der Grünen im Stadtrat.

Diese Verfehlung unter der Leitung des damaligen Chefs des Sportstätten- und Bäderbetriebs, Raphael Beckmann, habe sein Nachfolger Sven Mania ihm gegenüber eingestanden, bekräftigt Trepte. „Unter Herrn Beckmann gab es einige Kommunikationsprobleme, dieser Fall gehört dazu“, sagt Trepte, der nächste Woche den Vorsitz bei den Dresden Dukes übernehmen will. Dabei hatte die Stadt erst 2010/11eine halbe Million Euro aus dem Konjunkturpaket IIin ein neues Funktionsgebäude auf dem Sportplatz gesteckt. „Wahrscheinlich war da schon vergessen, dass mal jemand die Zustimmung für die langfristig geplante Abgabe der Fläche erteilt hatte“, merkt Trepte süffisant an.

Mania muss diese Panne seines Vorgängers nun ausbaden. Und die Dresden Dukes am Sonnabend „auf das momentan Machbare verweisen“, wie es der Sportstätten-Chef ausdrückt.Auf Nachfrage erklärt er, was er damit meint. „DasMachbare stellt sich derzeit so dar, dass es in Dresden eigentlich keineverfügbare Anlage für die Dresden Dukes gibt“, betont er. Dabei hatten die Dresdner Sport-Oberen nach einer Idee eines eigens angereisten Vertreters des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) gemeinsam mit dem Stadtplanungsamt die Machbarkeit eines sogenannten Mannheimer Modells geprüft. „Dabei handelt es sich um einen gestaffelten Schutzzaun, der mit zunehmender Entfernung vom Schlagpunkt an Höhe verliert“, erklärt Sven Mania. Die Errichtung einer solchen Schutzumzäunung würde nachManias Angaben mindestens 200000 Euro verschlingen. Geld, von dem niemand weiß, woher es fließen soll.

„Wir haben mit den betreffenden Familien gesprochen. Die haben uns erklärt, dass sie dafür sorgen, dass wir nicht mehr spielen dürfen, wenn ein Ball in den Garten fliegt. Und dafür habe ich sogar Verständnis“, sagt Dukes-Trainer Philipp Würfel. Die Sportlerdrängen jedoch auf eine Lösung, wie auch immer die aussehen soll. Die Sport-Exoten haben sich vorsorglich für den Spielbetrieb in der Mitteldeutschen Liga Baseball (MDBL) angemeldet. „Unsere Heimspiele haben wir in Absprache mit dem Verband in die zweite Saisonhälfte legen lassen“, betont Würfel vor der im April beginnenden Spielzeit der Verbandsliga.

Wäre nur noch die Frage, wo. Eine befristete Ansiedlung auf dem Sportplatz in Klotzsche neben der Schwimmhalle erscheint kaum wahrscheinlich. Ein nötiger Umbau – weil ein Baseballfeld mindestens 130 Meter mal 130 Meter und damitweitaus größer als ein Fußballplatz sein muss – würde mindestens 40000 Euro kosten. Der Verein kann das nicht leisten. „Und es wäre keine langfristige Lösung“, sagt Mania. Eine Einquartierung im Ostra-Sportpark oder gar am Messegelände wäre denkbar, istaber noch nicht durchgeplant worden. Fest steht, ohne dass es jemand bestätigt: Eine Spielgenehmigung für den Sportplatz am Narzissenweg werden die Dukes unter den jetzigen Bedingungen nicht erhalten.

Dass die Baseballer der Landeshauptstadt aufgeben oder sich im Umland eine neue Heimstätte suchen, schließt Trainer Philipp Würfel aus. „Wir sind fast alle Dresdner und wollenhier weiter Baseball spielen. Der Sport macht uns Spaß“, unterstreicht er. Sollte sich in naher Zukunft keine Lösung abzeichnen, wird Grünen-Stadträtin Gerit Thomas im Petitionsausschuss der Stadt eine Petition zur Unterstützung der Dresden Dukes einreichen. 1269 Menschen aus aller Welt – unter anderem aus Japan, Kolumbien und Südafrika –, aber auch 614 Dresdner haben sich im Internet auf der Petitionsliste eingetragen.


Dresden Dukes: Online Petition

Online Petition gegen das Aus des Baseball und Softball Dresden Dukes e.V. Helft den Baseballern aus Dresden hier: http://dresdensportlich.de/2012/08/online-petition-gegen-das-aus-des-baseball-und-softball-dresden-dukes-e-v/ Recommend on FacebookTweet about itShare on xing

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